Stationäre Pflege vor dem Aus?

Stationäre Pflege vor dem Aus?

 

Thesen zur Fachveranstaltung am 16. Juni 2004, 14:30 - 18:30 Uhr im Gesundheitszentrum Bad Laer

1.1 Pflegesätze sind nicht kostendeckend

Die Pflegesätze reichen grundsätzlich nicht aus, um die tatsächlich anfallenden Kosten der Heime zu decken.
Die Heime arbeiten im Personalbereich schon jetzt etwa 20 Prozent zu Lasten der Pflegenden unterhalb des erforderlichen Bedarfs, weil der Ausfall von Mitarbeitern nicht anerkannt und gewertet wird.
Vile notwendigen und gesetzlich geforderten Leistungen der Heime werden nicht erstatt; z.B. Behandlungspflege, Sterbebegleitung, Qualitätssicherung, ...
Das Einsparpotential der Heime wird weit überschätzt!

Der Strafvollzug in Berlin kostet 120 Euro pro Tag, ein Tag im Altenpflegeheim kostet durchschnittlich 85 Euro!

1.2 Unnötige Kosten treiben viele Heime in den Ruin

Viele Vorschriften und gesetzliche Forderungen verursachen unnötige Kosten; z.B. Dokumentationsaufwand, Hygiene, freie Arztwahl, u.v.m.

1.3 Einsparbeispiel

Durch die Anstellung eines geriatrisch und gerontopsychiatrisch ausgebildeten Arztes könnten für die Heime und zusätzlich für das Gesundheitswesen erhebliche Kosten eingespart werden, und zwar schätzungsweise mindestens 1,50 Euro pro Tag und Bewohner.
Mit dem eingesparten Geld könnten die Heime geriatrisch und gerontopsychiatrisch ausgebildete Fachärzte einstellen, also zusätzliche Arbeitsplätze schaffen!

2. Heimplätze sind für die Bedürftigen zu teuer

Menschenwürdige Pflege im Alter ist sehr viel teurer als die betroffenen Menschen in der Lage sind zu finanzieren oder durch andere Mittel auszugleichen.
Wenn wir in Zukunft eine menschenwürdige Pflege im Alter für unsere Angehörigen und uns selbst wollen, müssen wir bereit sein, mehr dafür zurückzustellen.
Ein gerechtes Finanzierungskonzept zur Sicherung der Pflegebedürftigkeit und insbesondere der stationären Altenpflege ist ein Gebot von Vernunft und Menschlichkeit.

3.1 Ambulant vor stationär

Dies darf nicht allein und Kostengesichtspunkten diskutiert werden!
Auch ambulante Versorgung verursacht (versteckte) Kosten und benachteiligt insbesondere Frauen, die berufstätig sein könnten.
Erfahrungen aus der stationären Altenpflege zeigen, dass Menschen an Lebensqualität wieder gewinnen können, die im ambulanten Bereich so nicht zu sichern ist.
Es gibt viele Personengruppen, die auf Grund ihrer Biografie oder ihrer Erkrankung in stationären Einrichtungen wesentlich besser leben. (Nicht nur Demente!)

3.2 Abschaffung der Heime nach Vorbild Skandinaviens?

Die sozialen Strukturen in Deutschland sind nicht ohne Weiteres vergleichbar mit anderen Ländern. 
In Deutschland fehlt eine entsprechende Infra-Struktur im para-ambulanten Bereich!
Sinnvoller wäre eine gezielte Entwicklung der Heime; z.B. zu Seniorenzentren, Ausbau alternativer Wohnformen, bessere Vernetzung, u.s.w.
Nicht einfach Nachahmen, sondern die eigenen Stärken nutzen und neue Formen entwickeln.

4. Zusammenfassende Forderungen

1. Kostendeckende Pflegesätze durch Nachweis von Notwendigkeit und Sinn der erbrachten Leistungen
2. Gerechtes Finanzierungskonzept (evtl. 3, 4 % Pflegeversicherungsbeitrag)
3. Verbesserung der para-ambulanten Versorgungsstruktur (evtl. Enquete-Bildung!)
4. Förderung der Entwicklungsmöglichkeiten der Heime durch
    - Abbau der Bürokratie
    - Abbau unsinniger und überflüssiger Vorschriften, Regelungen (z.B. freie Arztwahl)
    - Refinanzierung der Kosten für Qualitätssicherung
    - verbesserte Rahmenbedingungen (z.B. geringere Belegungsquote bei der Kurzzeitpflege)

    - u.v.m.

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