Pflege am Boden nimmt Fahrt auf

Nicht den zweiten Schritt vor dem ersten tun!
1) Bisher haben sich Pflegekräfte kaum organisiert, nur etwa 8 % sind in einem Verband oder in einer Gewerkschaft. Es fällt auch schwer, sie dazu zu bewegen. (Ich habe das zwanzig Jahre lang versucht.) Oft spielt Resignation, sehr oft aber auch Doppelbelastung (+Haushalt, Familie) eine Rolle. Und auch das muss man sehen und ernst nehmen. Nun ist es uns gelungen eine Ausdrucksform für den Protest zu finden, der sehr viele folgen können und mögen. Das ist gut!
2) Darüber hinaus richtet sich der Aufruf auch an pflegende Angehörige und Pflegebedürftige selbst. Wie kaum eine andere Berufsgruppe sind wir auf die Solidarität anderer (also anderer Berufsgruppen) angewiesen. Ohne sie, aus eigener Kraft werden wir es nicht schaffen. Und es ist schon interessant, wie viele der Betroffenen und andere Berufe sich mit dieser Bewegung solidarisieren. Das ist gut so!
3) Die Flashmobs schaffen erst mal ein Gefühl von Gemeinsamkeit und Vertrauen. Viele Pflegende sind Grabenkämpfe und politische Reden leid. Sie wollen Taten und keine Versprechungen mehr. Sie vertrauen nicht den Politikern, sondern wollen Aktion und Veränderung. Eine erstes Zeichen für Veränderung scheinen die Flashmobs zu sein, weil sich erstmals viele auf die Straße begeben, die sich das bisher nicht (zu) getraut haben. Das ist gut so!
4) In den einzelnen Städten formieren sich allmählich Pflegestammtische, die von politischen Richtungen und Konfession etc. her völlig unabhängig sind und bleiben wollen, zu denen auch bisher völlig unpolitische Menschen hinzustoßen. Die Aktionen des Runden Tischs Pflege in Osnabrück in den letzten zwei Jahren zeigen sowohl in der Öffentlichkeit als auch im Hinblick auf die Teilnahme der Flashmobs Wirkung! Hier sind erst einmal lokale Organisationsformen, die den globalen Gedanken der Bekämpfung des Pflegenotstands aufnehmen und weiterführen können. Hier können sich die Pflegenden vor Ort kreativ und mit Visionen einbringen. Das ist gut so!
5) Wichtig ist nun erst mal, einen langen Atem zu behalten und weitere Flashmobs einfallsreich und vor allem öffentlichkeitswirksam zu inszenieren. Das braucht Durchhaltevermögen und viel Energie. Erst wenn wir öffentlich wahrgenommen werden, können unsere Stimmen gehört (die Aphasie der Pflege überwunden) werden! Bisher lebte Pflege im Dunkeln. Jetzt ist Aufklärung gefragt! Dazu können wir – auch zum Schutze der Privatsphäre der Gepflegten – jede Unterstützung, insbesondere von Prominenten – gebrauchen. Und immer mehr Menschen in Leitungspositionen und Pflegewissenschaftler solidarisieren sich bereits mit uns. Das ist gut so!
6) Erst wenn DEUTLICHE Anhebungen der Personalstellen von den politisch Verantwortlichen per Gesetz ZÄHLBAR angekündigt werden, wird es allmählich zu einer echten Auflösung des Pflegenotstands kommen. In diesem Zuge können die lokalen Gruppen weiter arbeiten und die Entwürfe zu berufspolitischen Themen (von Pflegekammern, Parteien, etc.) kritisch prüfen und sie kommentieren. Auch könnten sie lokal vor Fehlentwicklungen von regionaler Pflegepolitik warnen und Gegenvorschläge formulieren. Das wäre gut so!

Derzeit steht im Vordergrund:
1. Motivieren und einladen aller, die Pflege leisten oder erhalten.
2. Das Gemeinsame und Gute betonen; keine Grabenkämpfe! Dafür Kreativität weitestgehend zulassen.
3. Vor Ort mit Organisationsteams (Pflegestammtische oder Runde Tische) Flashmobs organisieren und durchführen.
4. Öffentlichkeits- und Pressearbeit!
5. Aufklärung und Gewinnung von prominenten Mitstreitern.
6. Langer Atem. (Ich freu mich auf den Mai, wenn über 50.000 auf den Strassen liegen!)

 

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