Gedanken zur Generalistischen Ausbildung

Generalisierte Ausbildung

 

 

 

Die Generalisierte Ausbildung ist beschlossene Sache. Darin liegen viele Vorteile und bei allen Umsetzungsschwierigkeiten  große Chancen. Eigentlich und im Vergleich zu den Standards im Ausland ist sie längst überfällig. Zwar gibt es in Deutschland nicht wenig Gegner, aber es ist schon interessant genauer hinzuschauen, wer da dagegen ist.
Die Bewegung Pflege am Boden hat einige Aktivisten in ihren Reihen, die sich zu dem Thema einmal ausgetauscht haben. Das Ergebnis liegt Ihnen mit der anliegenden Datei vor. Die große Kunst wird es sein neben ausreichend und gut koordinierten Praktikumsplätzen ein fachgerechtes Curriculum zu entwickeln.

 

Die Pflegeexperten sind sich einig, dass Betreuung und Pflege vor dem Hintergrund eines systemischen Ansatzes und einer ganzheitlichen Pflegetheorie nicht voneinander trennbar sind. Zur Pflege gehört zwangsläufig Betreuung und die Frage nach einer gelingenden, professionellen Beziehungsgestaltung kann ebenso wenig von notwendigen Pflegetechniken absehen wie umgekehrt.

 

Die Bundesregierung hat mit der Einführung des §87b nun eine Dienstleistung in die Heime eingeführt, die eigentlich Bestandteil altenpflegerischer Praxis ist und darüber hinaus in dem Altenpflegegesetz und den entsprechenden Curricula verankert ist. Nach nur wenigen Jahren der Erfahrung mit derart niederschwelligen Betreuungsangeboten zeigt sich, dass es insbesondere in der Pflege an Personal mangelt. Immer wieder kommt es zu Verstößen zu den gesetzlich festgelegten Richtlinien der 87b-Beteruung. Es scheint offenkundig, dass das derart zusätzlich eingestellte Personal letztendlich die kostengünstigere Variante für mehr Pflegepersonal darstellt. Neben den zusätzlichen Betreuungskräften fehlt es  eben schon und auch in der direkten Pflege an Personal. Der pflegerische Aufwand hat sich im Zuge von zunehmender Multimorbidität und der Zunahme demenzerkrankter Menschen erhöht und ist eben nicht allein mit Betreuungskräften zu kompensieren. 52 Bewohner werden durchschnittlich in einer Nacht in Altenheimen von Pflegenden versorgt. Wenn wir nicht wollen, dass Pflegekräfte vor dem Hintergrund dieser Zahlen weiter das Berufsfeld verlassen, brauchen wir hier bessere Personalschlüssel und die Generalistische Ausbildung sollte hier strukturell wie inhaltlich dazu passen.

 

Des weiteren wird immer offenkundiger, dass die Ausbildungsanforderungen an die (reinen) Betreuungsarbeiten komplexer und anspruchsvoller sind als zu erwarten war. Pflegen kann nicht jeder! Aber Betreuen auch nicht! Viele zusätzlichen sind mit ihrer Aufgaben überfordert oder werden zwischen den Sachzwängen zerrieben.

 

Der Bedarf an Betreuung sowohl im ambulanten Bereich wie in der stationären Altenpflege ist groß, aber auch die Krankenhäuser können von gut ausgebildeten und erfahrenen „Demenzbegleitern“ und Betreuungskräften profitieren. Es ist unstreitig, dass eine an einem weit höheren Anforderungsprofil ausgerichtete Betreuungsausbildung geschaffen werden sollte. Dieses Ziel haben die Aktivisten von Pflege am Boden bei ihrem Entwurf mit berücksichtigt. Die Chancen und Möglichkeiten des Modells sind ausgesprochen vielseitig.

 

Der Entwurf für eine generalistische Ausbildung sollte beinhalten, dass nach vielen Jahren der Berufspraxis die weitergebildeten und erfahrenen Pflegekräfte bei körperlichen Handicaps, die  in der Branche kaum vermeidbar sind, weiter in ihrem „gelernten“ Tätigkeitsbereich arbeiten können, ohne also den Beruf durch Umschulung oder Frühberentung verlassen zu müssen.  Leider besteht hier allerdings das Problem, dass mit der Betreuungsarbeit – auch auf Grund ihrer geringeren Ausbildungszeit und –ansprüche – eine geringere (tarifliche) Entlohnung korrespondiert.
Damit hier Arbeitgeber nicht unnötig belastet werden und auch Anreize bekommen, ihre „bewährten“ Mitarbeiter im Unternehmen zu halten, schlagen wir vor, hierfür eine Regelung im SGB XI, die einen gewissen Lohnausgleich sichert, zu etablieren.  Denn es ist angesichts auch der steigenden Betriebe in privater Trägerschaft nicht davon auszugehen, dass die Arbeitgeber als Tarifpartner hier eine Lösung anbieten werden.

 

Auch gehört zu einer guten Betreuung, dass die dafür notwendige Koordination und Planung höhere Ansprüche stellt, so dass wir neben einer einjährigen Ausbildung zur Betreuungskraft (nach 87b bzw. nach 43b) eine zweijährige Ausbildung zur Betreuungsfachkraft mit erweiterten Aufgaben bis hin zu administrativen und qualitätssichernden Aufgaben empfehlen.

 

Allen Pflege- oder Betreuungsausbildungswegen sollte aber eine gemeinsame halbjährige Probezeit vorgeschaltet sein, um die Eignung zur erkennen und von Anfang an zu fördern, denn Talent braucht gezielte Förderung. Im Zuge dieser ersten sechs Monate kristallisiert sich für den einzelnen schon heraus, ob er eher für die Betreuung oder für pflegerische Aufgaben geeignet ist. Dabei endet die reine Betreuungsausbildung nach ein bzw. zwei Jahren.

 

Im weiteren Verlauf kann dann im Sinne vom Einfachen zum Komplexen eine stufenweise Ausbildung erfolgen. Die einjährige Ausbildung qualifiziert für grundpflegerische und leichte behandlungspflegerische Tätigkeiten und kann als zweijährige dann klar festzulegende  deligierbare Tätigkeiten des Arztes inkludieren.

 

Für einen Abschluss als Pflegefachfrau oder –mann sind weitere 18 Monate Ausbildung erforderlich. In den letzten sechs Monaten sollte dann für die Auszubildenden klar sein, welchen speziellen Zeig der Pflege sie wählen wollen. Neben der normalen Krankenhauspflege und der Altenpflege sind auch der Tätigkeitsbereich der Kinderkrankenpflege denkbar.

 

Bei besonderer Eignung und Interesse sollte auch eine weiterführende Spezialausbildung zur FachpflegerIn für … möglich sein. Aber auch ein späterer Wiedereinstieg sollte für die letztgenannte Option möglich sein. So werden Brüche und aufwändige Weiterqualifizierungen möglich, ohne die Erwerbsbiografie zu fraktionieren.

Zumindest bis zum Erwerb der Qualifikation als Pflegefachfrau / mann sollte die Ausbildung durch ein klares Ausbildungs-Salaire ohne Schulgeld gesetzlich vorgeschrieben werden. Hinsichtlich der Weiterbildung zur Fachpflegefrau/mann sind Vereinbarungen zwischen den Arbeitgebern und der Arbeitenehmerin grundlegend, könnten aber staatlicher Förderung geöffnet werden.

 

Voraussetzungen

Merkmale

Inhalte (Beispiele)

Abschluss/Titel

Bedarf

Einjahresausbildung
3 Monate Probezeit

Hauptschulabschluss,
Spracheignung, Kommunikative und ethische Eignung

Betreuung
ambulant / Stationär

Kinästhetik, Basale Stimulation, Betreuungsangebote, Umgang mit herausforderndem Verhalten

Betreuer 43b

Betreuungskraft

Sitzwache,

Betreuung ambulant und

Stationär, Krankenhaus, Sterbebegleitung

Zweijahresausbildung
6 Monate Probezeit

Hauptschulabschluss,

Abschluss Betreuungsausbildung anrechenbar

Pflegehilfskraft

Grundpflege, Prophylaxen,

Krankheitsbilder; klar festgelegte,
deligierbare ärztl. Tätigkeiten

Pflegehilfsfachkraft

PHFK

Altenheim,

ambulante Pflege, teilw. Krankenhaus

Ende Generalistik, Nach drei Jahren Entscheidung für den Schwerpunkt

 

Abschluss PHFK, oder

Mittlere Reife

Alle Pflegebereiche durch Praktika nachweisen.

Behandlungspflege
Pflegetechniken

Beratung
Anleitung

(Kein Abschluss, Schwerpunktentscheidung)

Ende der gemeinsamen Ausbildung

3,5 Jahre

 

 

Pflegefachkraft

Spezialisierung:
- Krankenhaus
- Altenpflege
- Kinderkrankenpflege

Pflegefachfrau/mann

Für
- Altenpflege
- Krankenpflege
- Kinderkrankenpflege

Krankenhaus, ambulante Pflege, Altenheim,

Fachkrankenhaus

Weitere Spezialisierungen

+ 2 Jahre Berufserfahrung oder Abitur

 

Fachkranken/-altenpfleger

- Anästhesie
- Palliativ

- Gerontopsychiatrie
- Wohnbereichsleitung
- QMB
- Psychiatrie

Fachpflegefrau/mann

 

Nach mindestens 30 Jahren oder ab dem 55. Lebensjahr mit mindestens 5 jähr. Berufserfahrung

Möglichkeit bei vollem Lohnausgleich (Besitzstandwahrung) als Betreuer zu arbeiten

 

 

 

Aufgabe der Tarifpartner!

 

 

 

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