Gibt es einen Pflegenotstand?

1. Gibt es einen Pflegenotstand?

 

Hierzu möchte ich einfach aus einem Artikel von mir, der 2015 (geschrieben 2013!) in der Pflegezeitschrift veröffentlicht wurde, zitieren.

 

Und schon wieder …
„wird ein "Pflegenotstand" in Deutschland ausgemacht und diskutiert. Das Ganze ist seit den 50er Jahren immer wieder ein Mode-Begriff gewesen, den aber niemand wirklich begriffen hat. Manche meinen damit Fachkräftemangel, andere das drohende Missverhältnis von Pflegebedürftigen und Pflegekräften, das angesichts des demografischen Wandels näher rückt. Allein - der "Pflegenotstand" ist keine Frage des Fachkräftemangels, wie es allenthalben suggeriert wird. Und er war nicht absehbar, sondern immer schon da!

 

Den Pflegenotstand gibt es seit über zwanzig Jahren und weil nichts geschieht, stehen wir jetzt auch angesichts des demografischen Wandels vor dem Kollaps. Pflegende verlassen den Beruf. Jahrzehntelange Aufopferung trieb Pflegende fort in Krankheit, Burnout, weg von Basistätigkeiten, vertrieb mögliche Schulabgänger. …. Es geht dabei nicht allein darum, mit teuren Imagekampagnen neuen Nachwuchs für Pflegberufe zu akquirieren, sondern mehr noch darum, die vorhandenen Pflegekräfte zu halten und nicht weiter ausbluten zu lassen. Dabei kann man sicherlich die Attraktivität des Berufes durch höhere Gehälter (die ja angeblich nicht finanzierbar sind) steigern. Allerdings sehnen sich die Mitarbeiter mehr nach MEHR jungen Kollegen, ausreichend Zeit für die Bewohner/Patienten und nach Zeit - für sich selbst!
Aber noch mal: Der Pflegenotstand ist keine Frage des Fachkräftemangels, sondern dieser ist Folge des Pflegenotstands! In der Öffentlichkeit versteht man aber darunter, dass es nicht genügend Arbeits- und Fachkräfte im Bereich Pflege gebe. Zu wenig Menschen, die zur Pflege bereit und in der Lage wären. Nein - es gab immer schon zu wenig davon!
….

 

Will Pflege über ihre Rahmenbedingungen und Verhältnisse aufklären, scheitert sie dabei nicht allein an der Bereitschaft, sich ihres "Verstandes ohne die Leitung eines anderen"- sei es Medizin, Bürokraten oder Politik - zu bedienen - das auch! Vielmehr zeigt sich diese Unmündigkeit in der „Aphasie der Pflege“ wie sie schon Ende der Achtziger Jahre von Angelika Zegelin beschrieben wurde. Bis heute hat es unsere Berufsgruppe nicht fertig gebracht, über sich, das heißt über den Gegenstand ihres Tuns und die unhaltbaren Rahmenbedingungen, sprachlich kompetent und nachvollziehbar Auskunft zu erteilen, sprich - aufzuklären.
Selbstkritisch muss die Berufsgruppe sich auch sagen lassen, dass sie bzw. ihre Fürsprecher und "Köpfe" selbst den Pflegenotstand mit verursacht haben. Nur mit Herz, Hand und eiligen Füßen lassen sich Bedürfnisse und Interessen nicht verteidigen oder gar durchsetzen, auch die Bedürfnisse der Gepflegten nicht. Mag es zwar Köpfe gegeben haben, die ihren Mund gebrauchen konnten, so fehlte es am Ende doch an - Stimme. Viele Stimmen sprachen in unterschiedliche Richtungen, so dass es im Konzert der Berufsverbände und Interessensvertretungen nicht zu EINER (kräftigen und machtvollen) Stimme kommen konnte. Schon Anfang der 90er Jahre wurde auf die fehlende Lobby – trotz zaghafter erster Akademisierungsbestrebungen – für die Pflege hingewiesen.
… Im Vergleich zu den allermeisten anderen Berufsgruppen sind die Arbeitsbedingungen alles andere als einladend. Mehr als drei Viertel der Pflegenden macht Schichtdienst und fast zwei Fünftel macht regelmäßig oder gelegentlich Nachtdienst. Arbeit an Sonn- und Feiertagen ist normal. Es sind vor allem für Familien ungünstige Zeiten, denn die Hauptpflegezeit ist auch die intensivste Zeit im Hinblick auf Kindererziehung und deren Pflege und dann später wieder die Pflege der Angehörigen. Das heißt "flexible Arbeitszeiten" funktionieren hier schlichtweg nicht - zumindest nicht nach dem öffentlichen Musterverständnis von "flexiblen Arbeitszeiten".  Im Rahmen der Diskussion um ein Betriebskrippenangebot für berufstätige Mütter in der Pflege antwortete mir eine junge Mutter: "Ich reiß mein Kind doch nicht um 5:30 Uhr aus dem Bett, um es dann in die Hände von Erzieherinnen zu geben. Gerade dann braucht doch das Kind mich!" Es sind schlichtweg und grundsätzlich familienunfreundliche Arbeitszeiten! Gepflegt werden muss immer - auch dann wenn der Ehepartner Betriebsurlaub oder Ferien hat. Wenn also Experten (Politiker)  von "flexiblen Arbeitszeiten" sprechen, sollte man genauer nachfragen, was sie darunter - für Pflegekräfte - verstehen. Damit eine junge Mutter, die im Vorstellungsgespräch angibt, sie könne nur von 08:00 bis 11:45 Uhr arbeiten, nicht zu hören bekommt: "Da kann ich sie aber nicht gebrauchen; ich brauch sie - auch im Sinne unserer Bewohner -  vorher - zum Pflegen. "

 

Neben den vielfältigen psychischen Belastungen im Umgang mit Leid, Schmerz, Tod und  Abhängigkeit ist eine schwere körperliche Belastung für die Pflegeberufe kennzeichnend, die die körperliche Belastung von Bauarbeitern noch zu toppen vermag. Beschwerden wie Muskel- und Skeletterkrankungen, beispielsweise Rückenschmerzen, sind deutlich häufiger vorzufinden als in anderen Berufsgruppen.

 

…. Nun zugegeben - all dies weiß oder ahnt zumindest eigentlich jeder, der sich für eine Ausbildung im Pflegeberuf entscheidet.  Er will in der Regel mit Menschen arbeiten und helfend in Beziehung gehen und gestalten, auch wenn er relativ schlecht verdient. Was er aber nicht unbedingt wissen kann:

 

- Die Arbeit geschieht unter einem ständigem Zeitdruck. Die Pflegeschlüssel sind auf eine Bruttoarbeitszeit gerichtet, das heißt Ausfallzeiten sind planerisch kaum zu kompensieren. Fällt es ihm darüber hinaus schwer, "Nein" zu sagen, sich abzugrenzen, kommt es in der Folge zu einer permanenten Arbeitsbereitschaft. Vermag er diesem Druck nicht Stand zu halten, ist Burnout oder Mobbing oft die Folge.
- Ständiges, ungeplantes Einspringen für krankheitsbedingte Ausfälle sind an der Tagesordnung und beschäftigen Pflegedienstleitungen derart, dass sie zu ihren eigentlichen Aufgaben kaum kommen.
-  Die Gehälter befinden sich im Sinkflug Richtung Mindestlohn, weil das System "Pflegesätze" bei gleichzeitig stark steigenden Preisen für Energie, Versicherungen und Qualität nur geringste Steigerungen im Lohnbereich zulässt!
- Rahmenbedingungen im Vergleich beispielsweise zur Versicherungsindustrie oder zur Automobilherstellung, die nicht nur hinsichtlich Grundgehälter geradezu unterirdisch sind.
Fort- und Weiterbildung wird nur für gesetzlich vorgeschriebene Themen bezahlt.
- Das Unternehmen bereichernde und gesundheitsfördernde Programme sprengen das Budget und diese Zukunftsinvestitionen zahlen engagierte Pflegekräfte aus eigener Tasche - im Rahmen ihrer Freizeit. Hier verhält sich das Ganze scheinbar umgekehrt proportional: Nötiger als in fast jeder Berufsgruppe ist permanentes Training der Rückenmuskulatur durch nachhaltige Programme wie Kinästhetik oder Besuche im Fitnessstudio. Aber diese Investitionen sind strukturell nicht angelegt, eher schon der neue Lifter.
- Tausend Gründe finden die Geschäftsführungen, warum es nicht finanzierbar ist, hunderte von Gründen finden die Pflegenden selbst, warum es nicht geht. Eine verschlankte Hierarchie (lean-management) mit Verzicht auf leitende Mitarbeiter im mittleren Management, die hier motivieren und argumentieren könnten, hat im Zuge des neoliberalen Zeitgeistes der letzten Jahre viele ganz heraus gespült und die Verbliebenen zu Dienstplanadministratoren degradiert.
- Jede Minute zur Arbeitsplatz(ab)sicherung über die Dokumentation geht am Bewohner/Patienten verloren. Externe Prüfinstanzen finden immer neue Lücken in der Berichterstattung – wohl wissend oder zumindest ahnend, dass hier gar nicht alles beschreibbar ist, was getan wird und werden muss.
- Keine Zeit für Reflexion der getroffenen, pflegerischen Entscheidungen, kaum strukturierter Austausch im Team. Kollegiale Beratung und Supervision wie sie bei pädagogischen und anderen sozialen Berufen üblich sind – sprengen das Budget.
- Alles soll im Voraus geplant sein und Unvorhergesehenes gilt als Planungsfehler.

 

Wer Pflege nur unter dem Aspekt der Beherrschbarkeit wie bei Technik und Naturprozessen betrachtet, übersieht aber die prozessuale Eigendynamik menschlicher Beziehung und die besondere Abhängigkeitssituation der Pflegebedürftigen. Ein Pflegeplanungssystem, das herausforderndes Verhalten und Unfälle (Stürze, etc.) als beherrschbar deklariert,  kriminalisiert im Endeffekt a priori stillschweigend die Pflegekräfte. Die Beherrschung von Risiken steht höher im Kurs als die Gesundheit und Lebensqualität der von Pflege Betroffenen und das sind eben sowohl Gepflegte wie Pflegende.

 

Die Pflegenden sind schon auf Grund der Arbeitszeiten und hinsichtlich der körperlichen und psychischen Herausforderungen am Rande der Leistungsfähigkeit, die ständige Belastung durch Unterfinanzierung und unzureichende Rahmenbedingungen fordert nun allmählich Tribut. Ein Drittel der Pflegenden gehen an die Grenze der eigenen Leistungsfähigkeit! Was aber besonders schwer nachzuvollziehen - ja skandalös ist: Heute versorgt eine Pflegekraft 25% mehr Fälle als vor 15 Jahren.

 

Anstatt immer nur nach Einsparungs- und Rationalisierungsmöglichkeiten (Ausgabenseite) zu schauen, die auf dem Rücken der Pflegenden ausgetragen werden – hätten unsere Betriebswirtschaftsexperten im Gesundheitswesen, speziell der Pflege, besser daran getan, die Einnahmenseite in den Blick zu nehmen und vernünftige Refinanzierungskonzepte zu durchdenken. Nun steckt da eine Große Koalition im Schlammassel und wurschtelt weiter herum.

 

Und weil der potentielle Bewerber für einen Pflegeberuf all dies - bei eh schon bestehender Unattraktivität des Berufes für die meisten Schulabgänger - nicht im Voraus ahnen kann, spuckt das Gesundheitssystem immer mehr Pflegende (Kollegen) aus, die eigentlich gebraucht werden. Flucht aus dem Beruf ist vorprogrammiert und die Zahlen zu den Verweildauern in Pflegeberufen sprechen da eine eindeutige Sprache.
Im Gegenteil unsere Politiker glauben immer noch, dass prinzipiell jeder pflegen könne – sprich keine Eignung bzw. Talent brauche und es leicht erlernbar sei. Wie sonst sind die Kampagnen „Hartz IV in die Pflege beordern“ usw. zu deuten. Eine besondere Qualifikation sei nicht erforderlich – wozu Zugangsvoraussetzungen wie 12 Jahre Schule? All das hält nun den noch letzten Bereitwilligen ab, sich in der Pflege zu engagieren, geschweige denn „hoch arbeiten“ zu wollen. Wohin hoch auch vor lauter lean management!

 

… Kaum ein Ausbildungsberuf ist derart fremdbestimmt wie die Pflege. Andere sagen, was sie tun dürfen oder sollen. Andere berichten über ihre Skandale. Andere prüfen ihre Ergebnisse. Andere machen ihnen Vorschriften.  Ohne ernst zu nehmende Beteiligung machen andere die sie betreffenden Gesetze.

 

Und dann noch das:
Als ich 2005 im Rahmen einer Vorstandssitzung angesichts der Altersstruktur in unserem Betrieb ein Plädoyer dafür hielt, mehr junge Menschen als bisher für den Pflegeberuf auszubilden, wurde mein Vorschlag des Geschäftsführers mit folgendem Satz abgefertigt: "Wenn die jungen Damen nach ihren Schwangerschaften wieder kommen, ist das Problem wieder gelöst." Eine Diskussion war nicht möglich. Selbst wenn, hätten wirtschaftliche Erwägungen den Vorschlag zum Kippen gebracht. Heute wissen alle, dass der Vorschlag richtig war und man dort hätte investieren müssen, aber der Geschäftsführer ist seit ein paar Jahren in einem anderen Unternehmen tätig, wo er mehr verdient als damals.
Soviel zum Management.

 

…. Und nun im Herbst 2013 stellen wir fest, dass die Politiker wieder nur reden und flickschustern. Alle anderen Themen sind wichtiger als die Pflege, weil diese selbst nicht zu Wort kommt. Keine rettende Reform wird dort in die Wege geleitet, sondern vor lauter Kompromissen wird der Karren noch weiter in den Dreck gefahren.

 

Bereits im Sommer riefen nun Pflegende laut: „Wir sind am Limit!“ Keine Reaktion: Und nun ist es 5 NACH Zwölf – Pflege liegt am Boden. Wenn jetzt keiner kommt zum Helfen, kann sie zu Grabe getragen werden.

 

..... Da die Branche keine Tradition hat in Sachen Interessenvertretung, insbesondere da sie ohne wirksame Organisation (Gewerkschaftlich z.B.) und ohne Lobby (wie Ärzte, Pharmaindustrie oder Automobilindustrie) ist, brauchen sie neben Solidarität vor allem mehr Beachtung – auch und vor allem ÜBER die Presse. Dass deutlich wird, welch ein interessanter, vielseitiger, verantwortungsvoller und EIGENTLICH toller Job der Pflegeberuf ist. Weg von den Skandalberichterstattung, hin zur positiven Berichterstattung, ohne die miesen Rahmenbedingungen auszublenden! Aufklärung eben!

 

….. Erst wenn DEUTLICHE Anhebungen der Personalstellen (15-20%) von den politisch Verantwortlichen per Gesetz ZÄHLBAR angekündigt werden, wird es allmählich (Das wird Jahre dauern!) zu einer echten Auflösung des Pflegenotstands kommen. Aber die Pflegenden brauchen dieses Signal, sie brauchen eine Vision, damit sie wieder aufstehen können. Gesetzliche bundeseinheitliche Regelungen der Personalbemessung sind dringend nötig. Hier können Pflegewissenschaften im Konzert mit Pflegekammern Wege zeigen, endlich Selbstbestimmung (Mündigkeit) Wirklichkeit werden.“

 

Fazit:

 

Es gibt 2017 vor allem einen Fachkräftemangel. Der Pflegenotstand besteht schon seit mehr als 20 Jahren! Der Mangel kann nur behoben werden, wenn möglichst rasch eine Refinanzierung von einem Mehrstellenplus von mindestens 15 % in die Wege geleitet wird.
Da das aber keine politischen Mehrheiten finden wird, wird es im stationären und auch im ambulanten immer häufiger zu Belegungsstopps (teilweise durch die Anordnung der Heimaufsicht!) oder zum Ablehnen von Kundenanfragen kommen.

 

Also wird die Gesamtproblematik in ihrer Deutlichkeit etwa in 5 -10 Jahren bei der Bevölkerung ankommen. Die es sich leisten können, werden es privat mit Geld lösen. Aber die Masse der Pflegebedürftigen (mit etwa einem Renteneinkommen unter 1500,- €) werden auf die Hilfe der Familie und Nachbarschaft angewiesen sein. Da hier allerdings auch die Ressourcen schwinden, bleibt zu hoffen, dass DANN ENDLICH für eine auskömmliche Refinanzierung fairer und bedarfsgerechter Pflege in Form von mehr Personal-Stellen die Protestwelle anläuft.

 

 

 

2. Wie wird das Altenpflegesystem finanziell bewertet? Gibt es staatliche Unterstützung, wie sieht die politische Lage aus?

 

Wenn wir von Altenpflege sprechen, dann sind zuvörderst die Angestellten in stationären Alten-Pflegeheimen gemeint. Dort ist bisher eine 50-Prozent-Fachkraftquote vorgeschrieben; d.h. jeder zweite Angestellte soll eine dreijährig examinierte Altenpflege- oder Krankenpflegefachkraft sein.
In vielen Bundesländern müssen die Auszubildenden immer noch ihr Schulgeld für die theoretische Ausbildung selbst bezahlen; das soll mit der Generalistischen Ausbildung dann Geschichte sein.
Zum Stichwort „staatliche Unterstützung“ muss man wissen, wie das System refinanziert wird. Eine komplexe Frage, die auch politische Gesundheitsexperten nicht gänzlich verstehen und niemand ist scharf auf den Posten des Gesundheitsministers. Das bedeutet aber auch, dass Politiker hier vielfach über Gesetzestexte abstimmen, die sie gar nicht umfänglich verstehen. Speziell das Pflegesystem ist derart komplex und kompliziert, dass selbst Experten gern ins Straucheln geraten. Und noch schwieriger ist es, dem Bürger oder dem von PflegeBetroffenen die Gesetzeslage zu erklären.

 

Der Staat sieht ähnlich wie bei der Bildung – ganz im Sinne von Föderalismus und Subsidaritätsprinzip - die eigentliche Verantwortung bei den „Playern“ im System, wobei man im Prinzip den direkt Betroffenen (zu Pflegenden) ausgeklammert hat. Wieviel „Unterstützung“ jemand erhält hängt davon ab, in welchem Pflegegrad er verortet wird. Die Beträge dafür sind fix decken nicht die vollumfänglichen Aufwendungen für Pflege. Wer in Deutschland pflegebedürftig ist, muss zu einem Großteil selbst für die dafür entstehenden Kosten aufkommen – wenn er das kann. Und erst wenn er es nicht kann (zu wenig Rente, kein Vermögen, keine wohlhabenden Kinder!), dann tritt die Sozialhilfe auf den Plan.

 

Fakt ist aber, dass der durchschnittliche Eigenanteil, also das was er selbst zahlt, an einem Heimplatz etwa 1600,- € beträgt. Wenn Sie die Durchschnittsrente der Deutschen (Tendenz fallend!) anschauen, nämlich etwa 850,- €, dann wird klar, wo unter anderem das Problem liegt. Es wird für immer weniger Menschen Pflege im Heim bezahlbar. Da hier ein wesentlicher Player im System (Sozialämter) zur Kasse gebeten wird, ist auch klar, wo die Widerstände sind. Fazit: Eigentlich müsste der finanzielle Beitrag des Staates pro Pflegegrad deutlich angehoben werden. Da würde aber das Prinzip der Beitragssatzstabilität verletzen und da man dem „Wähler“ nicht noch mehr Abgaben (Pflegeverssicherungsbeitrag) „zumuten“ möchte, bleibt hier alles beim Alten. Dahinter lauert die Zauberformel: Familie bzw. ambulante Versorgung.

 

 Im weiteren zitiere ich aus einem Essay von mir:
„Für die personelle Ausstattung der Pflegeheime ist nicht die Bundesregierung zuständig und auch nicht die Landesregierung. Vielmehr besagt der §75 des Sozialgesetzbuches XI (=Pflegeversicherung), dass folgende Gruppen dafür eine Regelung finden sollen:
1. Die Träger der Heime, das sind die Wohlfahrtsverbände (Caritas, Diakonie, DRK, AWO, Parität. Wohlfahrtsverband, …) und die privaten Pflegeanbieter, vertreten durch den bpa.

 

2. Die Sozialhilfeträger

 

3. Die Pflegekassen

 

Auf Länderebene haben die Wohlfahrtsverbände, der bpa, die Sozialhilfevertreter und die Pflegekassen dabei - fast etwas obrigkeitshörig - stets nach OBEN, darauf geschaut, was an Geld vom Gesetzgeber einfließt, und dann darunter in den Verhandlungen mit den Kostenträgern ihre partiellen Interessen vertreten. 

 

Und eines gleich vorweg: Sie haben dabei die Realität und die am Pflegeprozeß Beteiligten, nämlich Pflegebedürftige und Pflegemitarbeiter, vollends aus den Augen verloren.

 


Speziell die konfessionellen Träger haben ihre eigenen Mitarbeiter nicht ernst genommen, ihnen Desorganisation, fehlende Kompetenz und fehlende Leistungsbereitschaft vorgeworfen. Und wo sie die Gründe für zunehmend rote Zahlen und Missmanagement nicht klar einzuordnen wussten, haben sie an die „Berufung“ oder an ihre „Nächstenliebe“ appelliert. Ganz zum Schluss, als sich die Berufsflucht in Form von erhöhter Abbruch- und Krankheitsquote oder Abwanderung zeigte und auch kaum noch Nachwuchs zu gewinnen war, wurde den Verbliebenen, die es wagten zu jammern und zu klagen oder gar eine Überlastungsanzeige aufzugeben, aus den mittleren, vom neoliberalen Geist infizierten Leitungsetagen heraus, gern mal zugerufen, dass sie ja wohl vorher schon wussten, was der Beruf bedeute. Zynismus pur.

 

 

 

Geglaubt haben alle an der Pflegeselbstverwaltung Beteiligten eher und vor allem der - oft geschönten - Dokumentation, für die sie alles auffuhren, und den Noten des Pflege-TÜVs. Weggeschaut haben sie, wenn es um die wirklichen Prozesse ging. Weggehört haben sie, wenn die Pflegekräfte stöhnten oder sich krank meldeten, legten Ihnen sogar DAS noch zur Last. Und sie vergaßen am Ende auch noch, einmal genau nachzurechnen und die Zahlen der Verhandlungspartner (bzw. -gegner) zu belasten und ihnen in den Verhandlungen fachlich und rechnungstechnisch entschieden entgegen zu treten.

 

 

 

Sie verloren sämtliche kritische Draufsicht. Die Zahlen dominierten. Die betroffenen Menschen verblassten dahinter. Einem demenzkranken Menschen mit Schluckstörungen mehrfach am Tag das Essen reichen: Ob das innerhalb der Zeitvorgaben ÜBERHAUPT MÖGLICH (billig) war, dazu ließ sich niemand herab, es zu denken, geschweige denn nachzufühlen, nachzuerleben. Den Verantwortlichen der Trägerverbände gefielen Excel-Tabellen, aber sie verstanden sie schlechter zu nutzen als die Kassenvertreter.
Überaus sachlich blieb das Bild des Essenreichens ausgeblendet. („Bloß jetzt nicht emotional werden!“)  Die Rahmen (Personalschlüssel, Pflegekassenbeiträge) galten uneingeschränkt, wurden nicht in Frage gestellt.  Kaum einer  Branche kann man hier derart viel Borniertheit und Unreflektiert gepaart mit Sprachlosigkeit attestieren wie der Pflegebranche.

 

Sie fragten sich - vielleicht, aber eher nicht: Gibt es in der Pflege einen Pflegesatz, zu dem man zwar anbieten könnte, aber zu dem man nicht mehr anbieten will, weil das ansonsten Arbeitsbedingungen bedeuten würde, die man mit seinem Gewissen nicht mehr vereinbaren kann? Dabei konnten die Pflegemitarbeiter das im Rahmenvertrag Geforderte schon längst nicht mehr einhalten! Diese Billigkeitserwägung kamen ihnen aber nicht in den Sinn.

 

 

 

Immer hielt man sich an die Regeln und kämpfte um Kompromisse, sah darin seine Aufgabe, mehr nicht. Mehr konnte man nicht tun! Konnte man nicht? Doch man musste sogar! Aber was hielt sie davon ab?  Diese Ohnmacht ist fast nicht zu erklären. Vielleicht, weil jeder dem anderen (Verband) da die Vorreiterrolle, den möglichen faux pas, überlassen wollte? Vielleicht diese Erklärung: Wird die Uneinigkeit der Wohlfahrtsverbände genährt von Glaubensfragen und Eitelkeiten, wer nun der Beste und Gerechteste unter ihnen sei?

 

Die Rahmenvorgabe von  oben, die sozusagen in die Rahmenverträge der Länder einfloss, ist zunächst einmal der Beitrag der Pflegekassen für stationäre Pflege (§ 43 SGB XII) je nach Pflegestufe. Diese war fix (=gedeckelt). Daher konnte das Interesse der Pflegekassen nur sein, dass möglichst wenig Menschen in Heime kommen und/oder hochgestuft werden. Und genau so verhielten sie sich.

 

 

 

Die Rahmenverträge wurden Anfang der 90-er Jahre geschmiedet, zu einer Zeit, da es deutlich weniger demenzerkrankte und multimorbid erkrankte Menschen gab als heute; zu einer Zeit, da  die Auswirkungen der Krankenhausreformen noch nicht spürbar waren.
Diese Rahmenverträge wurden später nie nachkorrigiert oder grundsätzlich in Frage gestellt. Und hier beginnt die Verantwortung für die Beteiligten, allen voran der Wohlfahrtsverbände. Wohl wissend um die Arbeitsverdichtung und die sich verschlechternden Bedingungen und die steigenden Preise für die Betreibung ihrer Einrichtungen beugten sie sich in den Verhandlungen stets dem Diktat der gedeckelten Zahlen (=Personalschlüssel, Beitragsgrößen der Pflegekassen), ließen sich schließlich auch noch blenden von den Ergebnissen des Pflegeneuausrichtungsgesetzes.

 

 

 

Dabei übersahen sie auch - häufig gar nicht selbst aus den Pflegeberufen stammend (Die Geschäftsführer von Einrichtungen und die Verbandsvertreter sind oft keine Pflegekräfte!) -fachlich fatale (Fehl)Entwicklungen wie die Taylorisierung (Zersplitterung entgegen dem Ganzheitsdenken in der Pflege) der Arbeitsprozesse sowie der weiteren Versuche, mit möglichst wenig Ausgaben Leistungen anzubieten. Die Einführung der sogenannten 87b-Kräfte ist hierfür ein Beleg. Schafft sie zwar vordergründig gewisse Entlastungen, produziert sie aber – nur für den Fachmann erkennbar! – neue Probleme. Pflegefachlich unsinnig, aber nunmehr nicht mehr umkehrbar.

 

 

 

Am Ende haben sie dann auch noch die Interessen der Bewohner und deren Angehöriger in deren Rolle als Kostenträger nicht wirklich gewürdigt! Sie hätten der Bevölkerung sagen können, dass und welchen Preis Pflege hat! Transparenz halt.  Auch das haben sie unterlassen, wollten sich nicht in die Karten gucken lassen.

 

Aber m.E. noch schlimmer: Sie schoben die Rote Karte nicht in Richtung Regierung und Politik, die ja gefordert waren, mehr Geld über die Pflegekassen ins System zu spülen; auch entgegen der Maßgabe des Paragrafen 70 SGB XI. Dort gilt der Grundsatz der Beitragsstabilität; das heißt dieser Kostenträger wird quasi aus dem freien Markt entlassen und darf nicht – wie ein Unternehmen – mehr Einnahmen verlangen, sondern überlässt dies im Sinne des Subsidaritätsprinzips den Betroffenen, die am Ende höhere Pflegesätze bezahlen.  Die Leistungsausgaben der Pflegekassen dürfen die Beitragseinnahmen nicht überschreiten. Unter dieser Deckelung, die die realen Erfordernisse vollkommen ausblendet, leiden am Ende nicht allein die Bewohner als Zahler der Pflegekosten, sondern auch und noch vielmehr die Pflegemitarbeiter. Hiervon sehen die Träger aber ab, halten sich strikt ans Gesetz, ohne es in Frage zu stellen oder zumindest Nachkorrekturen zumindest in Höhe des Inflationsausgleichs einzufordern.
Im vorauseilendem Gehorsam antizipierten sie die Antwort, ohne sie zu erwarten. Es sei nicht genügend Geld (Pflegeversicherungsbeitrag) da und im Übrigen könne man sich ja privat versichern. Aber damit wird nicht der gestiegene Pflegebedarf ausgeglichen. Die Personalstellen bleiben gleich, die Leistungen aber sollen steigen. Wer soll diese der Bevölkerung versprochenen Mehr-Leistungen denn erbringen, wenn es nicht als bezahlte Mehr-Arbeit (=mehr Stellen) bei den Pflegenden ankommt?

 

 

 

Von Caritas und Diakonie zumindest hätte man erwarten dürfen – ja müssen, dass sie sich im Sinne von christlicher Nächstenliebe, von Gerechtigkeit und Billigkeit, als Anwalt von Gepflegten und Pflegenden verstehen, ihre Interessen als Sprachrohr nach OBEN vertreten.
„Der Begriff der Gerechtigkeit … bezeichnet einen idealen Zustand des sozialen Miteinanders, in dem es einen angemessenen, unparteilichen und einforderbaren Ausgleich der Interessen und der Verteilung von Gütern und  Chancen zwischen den beteiligten Personen oder Gruppen gibt.“ (Wikipedia, Hervorhebung von mir!) Billigkeit steht seit alters her ergänzend neben der Gerechtigkeit und sie  ist der zielgenauere Part der Gerechtigkeit.
Gottes Gerechtigkeit hat im Alten Testament nicht nur eine rein ethische, sondern eine stabilisierende und fürsprecherische Funktion. Haben die konfessionellen Träger sogar ihre Herkunft vergessen?

 

Die Rahmenverträge hätten MEHRFACH gekündigt werden müssen. Das wären ernsthafte Signale gewesen. Nichts dergleichen.  Die Bundes- und Länderregierungen konnten sich freuen, dass nichts (wirklich Druckvolles) geschah. Die Pflegeselbstverwaltung blockierte sich auf allen Ebenen gegenseitig und der Gesundheitsminister kam nicht in die Verlegenheit, Korrekturen bei den Pflegekassenbeiträgen vorzunehmen, die er dann der Bevölkerung und - noch schlimmer! - den Lobbyisten hätte erklären müssen. 

 

 

 

Und nun setzt das PSG II noch dem Ganzen die Krone auf. Die Einrichtungen werden in den Pflegegraden 1-3 Verluste haben, die dazu führen werden (ja sie sollen es!), dass nur noch Schwerstpflegebedürftige in die Heime kommen, so dass die Pflegekräfte unter noch härteren Bedingungen werden arbeiten müssen.
Wenn für die Zuordnung der Personalschlüssel zu den neuen Pflegegraden (1-5) nicht speziell für die Grade 4-5 DEUTLICHE Korrekturen im Zuge der Rahmenverträge verhandelt werden, dann ist der Kollaps vorprogrammiert.
…..
Das Interesse der Sozialhilfeträger war es, ihre Ausgaben für Pflege in den Heimen angesichts steigender Zahlen, derjenigen, die nicht mehr in der Lage sind, ihre Pflege(sätze) selbst zu bezahlen, möglichst gering zu halten. In Pflegesatzverhandlungen versuchten sie also so zu steuern, dass Pflegesätze möglichst niedrig (=bezahlbar) blieben. Hier tragen die Heimaufsichten als indirekte Repräsentanten der Sozialhilfeträger an der fatalen Entwicklung eine gewisse Mitschuld. …..

 


Aber paradoxerweise hatten auch die Träger ein Interesse, dass die Pflegesätze nicht zu hoch ausfielen, damit einerseits genügend Nachfrage für ihre Heimplätze blieb und andererseits sie mit Preisvorteilen eine Nachfragevorteil gegenüber –illegalen und lokalen - Konkurrenten erzielen konnten. In diesem Rennen waren die Wohlfahrtsverbände mit ihren tarifgebundenen Löhnen und einer Mitarbeiterschaft mit eher hohen Beschäftigungsjahren deutlich im Nachteil.
Speziell die konfessionellen Träger von Pflegeeinrichtungen waren also bisher Getriebene in einer Entwicklung, die primär auf Kostensenkung bzw. Kostenstabilisierung ausgerichtet ist. Diesen von außen kommenden Druck der Kostenträger mussten sie nach innen in ihren Einrichtungen weiterreichen. Immer mehr Träger gerieten in den Abwärtssog innerhalb der Pflegebranche, betriebswirtschaftlich einerseits verständlich, für die Branche insgesamt hingegen eine Katastrophe.“

 

 

 

 

 

3. Wenn die Lebenserwartung immer weiter steigt, wird es immer mehr und länger pflegebedürftige Menschen geben, aber wenn die Geburtenrate so niedrig/gleich bleibt wie aktuell, wie kann man so für ein Altensystem aufkommen?

 

Das ist sicherlich die zugleich schwierigste und klügste Frage!

 

Vorweg und im Nachklang zur vorigen Frage: Der Gesetzgeber hat ganz im Sinne des SGBXI mit den Pflegestärkungsgesetzen 1-3 insbesondere dafür gesorgt, dass Pflegebedürftigen im ambulanten Bereich mehr Versorgungsmöglichkeiten und deren Refinanzierung geboten werden können. Hierzu muss aber die Frage erlaubt sein, ob vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und der Tendenz zur Singularisierung unserer Gesellschaft nicht auch stationäre Versorgungsstrukturen ihre Berechtigung haben und ebenfalls einer Erweiterung im Sinne von Umstrukturierungen bedürfen. Denn nicht immer ist eine ambulante Versorgung möglich und sehr oft ist sie nicht die geeignete Form der Versorgung! Was aber besonders fatal ist und dadurch auch die Misere nur weiter befeuert, ist die Tatsache, dass mit mehr Leistungsangeboten nicht immer die Bedarfe getroffen werden und darüber hinaus gar nicht genügend Anbieter bzw. Pflegekräfte und Helfer zur Verfügung stehen, um eben diese „Angebote“ erbringen zu können. Zwar schießen Tagespflegestätten wie Pilze aus dem Boden und ziehen aus dem eh schwach bestückten Personalpool der stationären Pflege weitere Kräfte ab, aber damit können die ambulanten Pflegedienste lediglich zusätzliche Einnahmen generieren. Und! Die ambulanten Dienste arbeiten zu ähnlich niedrigen Preisen weiter. Das heißt sie haben mehr zu tun bei kaum mehr Personal, das kaum weiß, wie es die Arbeit schaffen soll und Überstundenberge anhäufen und die auch nicht besser - geschweige fair - bezahlt wird.

 

Nun der Gipfel der Alterspyramide wird etwa 2060 erreicht sein, danach wird sich das Ganze ganz allmählich wieder amortisieren. Aber bis dahin werden wir eine Katastrophe erleben, die eigentlich kaum aufzuhalten sein wird. Aus meiner Sicht kann hier eigentliche nur die Einwanderung vor allem junger Menschen – am besten mit Familien – das Ganze entschärfen.

 

Da der Fachkräftemangel nicht allein das Problem der Pflege ist, und gerade für die Pflegearbeit gute sprachliche Kenntnise und kulturelles Wissen ratsam ist, ist Einwanderung insofern eine Chance, als insgesamt einem Fachkräftemangel durch Bildung und Integration gut entgegengewirkt werden könnte, so dass auch mehr potentielle Pflegekräfte gewonnen werden könnten. Hierbei ist besonders wichtig, qualifizierte Pflegekräfte zu entwickeln.
Das Hauptproblem derzeit aber ist der sogenannte Pflexit!
Der Pflegenotstand würde nicht solche Dimensionen annehmen (angenommen haben!), wenn die beruflichen Rahmenbedingungen nicht so prekär wären. Dazu gehört neben einer besseren Honorierung der Pflege vor allem eine besser personelle Ausstattung, also mehr Pflegepersonal pro Bett/Patient/Bewohner! Nur darüber lässt sich der Pflexit stoppen.
Alle weiteren Maßnahmen (Praxisanleitung, Aufstiegschancen, Akademisierung, Verkammerung, etc.) können dann (erst) komplementär erfolgen.

 

Eine weitere Lösung könnte darin bestehen, das Pflegeversicherungsgesetz deutlich zu vereinfachen und flächendeckende Nachbarschafts- oder Quatierskonzepte und Ehrenamtsstrukturen zu forcieren, und zwar nicht durch Appel und Lob, sondern durchaus verbindlich. Möglicherweise wäre ein soziales Pflichtjahr zumindest für ein bis zwei Jahrzehnte eine Lösung. Und zwar rasch, bevor der Fachkräftemangel in der Industrie vollends zuschlägt.
Für die Pflege sehe ich im Bereich der Digitalisierung und Robotorisierung hingegen keine Chancen. Absehbar ist, dass in vielen Branchen, in denen immer mehr Roboter und Maschinen die Arbeit erledigen, zum Beispiel bei Banken, in der Autoproduktion, Fernverkehr und vielen anderen Industrien, es zu steigender Arbeitslosigkeit kommen wird. Problem ist nur: Nicht jeder arbeitslose Bandarbeiter oder Fernfahrer ist für den Pflegeberuf geeignet (Umgekehrt häufig schon!). Wir brauchen also eine neue Kultur des Helfens und eine allgemeine Kompetenzsteigerung schon im Bildungssektor, um von dort aus eine Steuerung bzw. Nachfrage nach (dann besser bezahlten) Berufen im Sozialwesen zu generieren.

 

Eine weitere Chance kann darin bestehen, möglichst viele Männer für den Beruf zu begeistern, da Männer eher bereit sind für bessere Arbeitsbedingungen durch organisierte Kraft sich einzusetzen. Aber unter den Bedingungen wie derzeit wird daraus wohl nichts werden.

 

 

 

4. Wie würden Sie das Interesse begründen, dass junge Menschen sich trotz der Umstände für den Beruf entscheiden oder was könnten hier Faktoren sein?

 

Die Gründe für den Pflege-Beruf sind sehr unterschiedlich. Der häufigste Grund dürfte sein, dass man mit Menschen arbeiten möchte und ein gewisse Sozialkompetenz mitbringt. Ein weiterer Grund könnte sein, dass man im Pflegeberuf eine sehr hohe Arbeitsplatzgarantie haben wird.

 

Aber es wird auf Dauer nicht viel nützen viele Menschen in diesen Beruf zu schleusen, den sie dann im Schnitt nach etwa acht Jahren wieder verlassen. Um die vierzig Jahre bis zur Berentung voll zu bekommen, brauchts halt dann fünffache Ausbildung.  Also auch mit den derzeitigen Ausbildungszahlen bzw. –plätzen könnte man hinkommen, wenn dafür gesorgt würde, dass Pflegemitarbeiter es in dem System aushalten (können).

 

 

 

5. Wie bewerten Sie, dass es so viele ausländische Hilfskräfte gibt? Und sehen Sie das eher positiv oder negativ?

 

An sich ist es kein Problem ausländische Hilfskräfte in der Pflege zu beschäftigen, aber klar muss auch sein, welche Mindeststandards hinsichtlich
- persönlicher Eignung
- Sprache und
- Bewährung gelten sollen.
Ich persönlich sehe darin Chancen. Ich hätte aber auch kein Problem damit, wenn proportional mehr ausländische Kräfte als Hilfs- oder Fachkraft eher in pflegefremden Branchen gut unterkommen und dafür wieder mehr Menschen, die Deutsch als ihre (neue) Muttersprache ansehen, in den Beruf einsteigen und noch mehr: im Pflegeberuf verweilen!

 

 


 

 

Mein Schlusswort:

 

Wir haben Notstände und die Gefahr des Eintretens von Notständen überall da, wo fürsorgliche oder hoheitliche Aufgaben aus Beiträgen von Bürgern (Steuern, Versicherungen) bezahlt werden müssen.

 

Es fehlt an Stellen für:
Erzieher – zu wenig Kita-plätze, zu wenig qualifiziertes Personal, geringes Gehalt

 

Lehrer – Unterrichtsausfall, zu wenig Lehrer

 

Juristen – zu wenig Juristen, Verbrechensbekämpfung mangelhaft

 

Polizei – zu wenig Polizisten, Terror etc.

 

Straßenbau – marode Brücken und Straßen, schlechtes Schienennetz

 

Pflege – Kostentreiber, geringe Gehälter, wenig Ansehen

 

 

 

Und nun wird das Ganze durch die demografische Entwicklung zum Boumerang.

 

Man hat das Geld nicht dort eingetrieben, um diese Gruppen, von deren Arbeit alle profitieren, also reich und arm, angemessen auszustatten, wo es zu holen ist, nämlich bei den Barvermögenden, den Aktienbesitzern und Großverdienern.
Man (die Politik) hat aus Angst vor dem Exodus ins Ausland den Reichen und Einflußreichen nichts weggenommen, sondern sie mit ihrem Geld und Aktien spielen lassen. Sie haben den Staat sozusagen fast terrorartig erpresst.

 

Wir brauchen endlich mutige Politik, die ich nicht schmieren oder erpressen lässt!
Und wir brauchen ein Umdenken in der Bevölkerung dahingehend, welche Dinge uns besonders wertvoll sind und wie wir nachhaltiger und gerechter leben können.

 

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