Keine Hoffnung mehr

Gestern Abend erstarb nach der ersten Hochrechnung die Hoffnung.
Die Hoffnung auf eine Politik der Verantwortung, der Gerechtigkeit und der Nachhaltigkeit.
Besonders betroffen sind die sozialen Berufe, allen voran die Pflegeberufe.
Es fällt mir sehr schwer nachzuvollziehen, dass gerade die Menschen, die von den Härten einer nationalistischen und neoliberalen Politik am stärksten betroffen sein werden, Parteien wie die afd oder die FDP wählen konnten.
Beweist es umso mehr, dass wir in Deutschland einen massiven (historischen) Bildungsnotstand haben und soziale Kälte gepaart mit mangelhafter Empathie sowie irrationale Ängste immer weiter um sich greifen?

 

Ich fordere die Intelligenz, die Gebildeten und Umsichtigen dieser Republik, vor allem die Professoren auf, endlich stärker und nachhaltiger aufzuklären mit klaren Worten und Standhaftigkeit.
Ich denke an Stefan Sell, an Ulrike Guérot, an Richard David Precht, an Götz W. Werner, die es bisher schon ein wenig taten, aber als Vereinzelte untergingen; aber auch an Prominente, die sich bisher zurück gehalten haben.  Die demokratische Mitte braucht keine Streithälse hinter den Türen, sondern Gesichter und Vorbilder.
Ich wünsche mir ihren Einsatz für die Menschen, die sich weltweit sehnen nach Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit. Zieht Euch nicht zurück hinter Eure Posten und Gehälter, sondern betreibt Aufklärung, die auch die Ungebildeten verstehen, outet Euch im Namen derer, denen es schlechter geht und die wenig Hoffnung haben auf Aufstieg, Vermögen oder genügend Rente. Sie verdienen Eure Solidarität, weil sie diese bisher nicht erhielten, sie sie aber brauchen und die Gesellschaft ein Recht hat auf ein Mindestmaß an Fairness. Ich fordere ein Bekenntnis zu Europa, zu sozialer Gerechtigkeit, zum Kampf gegen den Klimawandel und gegen Rassismus. Versteckt Euch nicht weiter hinter Terminen und Neutralität; wir müssen Zukunft gestalten und nicht wertneutral rüberkommen.

 

 Verärgert hat mich auch meine eigene Partei. Richtig ist nun die Entscheidung, die Opposition anzuführen. Wir haben nun vier Jahre (oder weniger!) Zeit, den Menschen, die sich von uns nicht überzeugen ließen, Antworten zu geben auf ihre Fragen, und zwar Antworten, die sie trotz der Komplexität nachvollziehen können. Wir dürfen auch unsere Herz en in die Sache pflanzen und Emotionen zeigen.  Wie wollen wir sonst die Menschen erreichen? Aber noch wichtiger ist hinhören und NOCH wichtiger ERNST nehmen. Ich hatte selbst in meiner Partei  Anträge gestellt. Zu denen erhielt ich nicht mal eine Rückmeldung, sie verliefen schlicht im Sande. Wer so sogar mit den eigenen Genossen umgeht, muss sich nicht wurden, wenn er Stimmen verliert!

 

Ich fordere meine Partei vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung, der weiter zu organisierenden „Zuwanderung“, der im Zuge der Digitalisierung steigenden Arbeitslosigkeit und der ungeheuren Vermögen in unserer Gesellschaft auf, die Chancen und Möglichkeiten eines bedingungslosen Grundeinkommens konsequenter durchzudenken, zu diskutieren und zu berechnen. Erst spaltete sich die Linke ab, dann die Grünen, dann die Piraten (viele davon waren SPD-Wähler!). Lasst nicht zu, dass Ihr wieder an dem richtigen Zug vorbeispringt.

 

Wer weiter diese Arroganz und Ignoranz zur Schau stellt, wird eine weitere Abspaltung der SPD nicht verhindern und eine rechte Bewegung wie in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts nicht mehr aufhalten können; denn das „Volk“ ist eher ungebildet und sehr verführbar.

 

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