Zum § 113 c, SGB XI


Bereits im Jahr 2000 wurde das PLAISIR-Verfahren im Auftrag des Bundesseniorenministeriums und mit wissenschaftlicher Begleitung erprobt. Ergebnis: Ein durchschnittlicher Pflegeaufwand für Kommunikation, Betreuung, Behandlungs- und Grundpflege von 131 Minuten pro Tag! Das ergibt eine Summe von knapp 41 Vollzeitstellen für eine Einrichtung mit 80 Bewohnern. Der heutige Durchschnitt liegt bei etwa 31 Vollzeitstellen.

Man hat angesichts dieses Mehrbedarfs und unter dem Vorwand, das Verfahren sei ungenau und genüge nicht den Anforderungen der Wissenschaftlichkeit, die Einführung in Deutschland abgelehnt.

 

Dasselbe erlebte ich Anfang der neunziger Jahre für den Krankenhausbereich, wo sehr bald nach der Einführung die PPR wieder abgeschafft wurde.

 

Es ist offenkundig und nicht mehr zu leugnen, dass ein höherer Personalbedarf besteht!
Und bis 2030 werden noch einmal mindestens 120.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt!
Das wissen die verantwortlichen Politiker!
Glauben Sie ernsthaft, dass in sechs bis sieben Jahren ein "besseres" (genaueres) Verfahren zur Umsetzung kommt? Ich nicht! Und bis dahin ist es zu spät!

 

 

Gesellschaftliche Entwicklungen wie die Singularisierung haben zur Folge, dass die Pflege durch die Familie immer weniger möglich sein wird, so dass eine gute stationäre und teilstationäre Infrastruktur gefragt sein wird.
Wie sollen aber absehbar immer weniger professionell Pflegende und immer weniger pflegende Angehörige die von der Regierung versprochenen „mehr Leistungen“ erbringen?

 

 

Die verantwortlichen Politiker haben mit dem PSG II und III die Ansprüche der Betroffenen erhöht und eine Erwartungshaltung geschaffen, die mit den vorhandenen Mitteln, sprich Personal, gar nicht zu erfüllen ist!

 

Das PSG II bedarf einer grundlegenden Erweiterung insbesondere im Hinblick auf §113 c. Die Verbesserung der Personalschlüssel und deren Refinanzierung muss bundeseinheitlich und unverzüglich zur Chefsache des Gesundheitsministeriums werden, um einen Kollaps zu verhindern. Stoppen Sie die Berufsflucht!

 

 

Die Pflege braucht mehr Personalstellen, damit Menschen diesen so interessanten und vielseitigen Beruf bis zur Berentung überhaupt ausüben können. Gerade vor dem Hintergrund des wachsenden Bedarfs an Pflegekräften und der Konkurrenz um Fachkräfte muss unverzüglich gehandelt werden. Wir haben über zwanzig Jahre erleben müssen, dass die Pflegeselbstverwaltung dies nicht umgesetzt kriegt.
Seit Einführung der Pflegeversicherung hat sich am Stellenschlüssel der Pflege kaum etwas geändert. Dagegen hat sich die Arbeitsbelastung derart gesteigert, dass eine menschenwürdige Pflege faktisch nicht mehr zu gewährleisten ist. Ein Heim mit 80 Bewohnerplätzen muss im Bundesdurchschnitt mit etwa 31Pflege-Vollzeitstellen die gesamte Pflegearbeit erbringen. Damit lässt sich ein sowohl bewohnergerechter- wie mitarbeiterfreundlicher Dienstplan nicht erstellen. Damit ist die erforderliche Pflege (entsprechend der Rahmenverträge) überhaupt nicht zu bewerkstelligen – erst recht nicht mit zusätzlichen Betreuungskräften!

 

Die Bundesregierung wäscht ihre Hände in Unschuld und überlässt die Verantwortung den Ländern und den Pflege-Selbstverwaltungen.
Die Politik muss rasch die gesetzgeberischen Möglichkeiten nutzen, um hier gegenzusteuern!

Ich fordere daher:
1. Die bundeseinheitliche Umsetzung ausreichender Personalschlüssel analog der 87b / 53c-Kräfte.
2. Verbesserung der Personalschlüssel der Heime um mindestens 2-3 % jährlich bis zum Jahr der Einführung des bundeseinheitlichen Personalbemessungsverfahrens 2020.
3. Keine Absenkung der Fachkraftquote! Zu deren Refinanzierung sollten die Leistungen des SGB V (Behandlungspflege) analog der ambulanten Versorgung auch in Heimen erstattet werden.

 

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