Den Pflege-Kollaps noch abwenden?

8.000 Stellen für die Behandlungspflege, die aus dem Topf der Krankenkassen bezahlt werden, will die GroKO schaffen!
Das sind etwa 0,6 Planstellen pro Heim in Deutschland. Zu wenig! Zweifellos! Und: Wie wird das überprüft? Noch mehr bürokratischer Aufwand? Warum nicht grundsätzlich die Finanzierung der Behandlungspflege? Nur ein erster Schritt? In welche Richtung?
Gebraucht werden 80.000 ZUSÄTZLICHE Stellen, sofort! Der Weg kann nur sein, dass wegen nicht besetzter Stellen - denn es gibt gar nicht die benötigten Fachkräfte! Es sei denn, man schließt weiter und zügig Krankenhäuser! - der Druck durch die Betroffenen so groß wird, dass die Anreize für den Beruf weiter DEUTLICH steigen.

Entgegen vieler Verlautbarungen gilt es im Übrigen noch einmal zu betonen: Nicht allein das relativ geringe Gehalt (vor allen Dingen für die Altenpflegekräfte) sind der Grund für den Mangel an Kräften, sondern die Tatsache, dass zu wenig Kollege*innen im Dienst sind und dass man als Pflegekraft in seiner Freizeit ständig eine Art Bereitschaftsdienst fährt. Zuallererst müssen also die Planstellen erhöht werden! Nur so kann das Ruder noch herumgerissen werden.
Das PSG II bedarf darüber hinaus einer grundlegenden Erweiterung insbesondere im Hinblick auf §113 c. Die Verbesserung der Personalschlüssel und deren Refinanzierung muss bundeseinheitlich und unverzüglich zur Chefsache des Gesundheitsministeriums werden, um einen Kollaps zu verhindern.

 

Es gilt vor allem die Berufsflucht zu stoppen!
Die Pflege braucht mehr Personalstellen, damit Menschen diesen so interessanten und vielseitigen Beruf bis zur Berentung überhaupt ausüben können. Die Berufsflucht muss gerade vor dem Hintergrund des wachsenden Bedarfs an Pflegekräften und der Konkurrenz um Fachkräfte unverzüglich gestoppt werden!

 

Menschenwürdige Pflege ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht möglich.
Seit Einführung der Pflegeversicherung hat sich am Stellenschlüssel der Pflege kaum etwas geändert. Dagegen hat sich in zwanzig Jahren die Arbeitsbelastung derart gesteigert, dass eine menschenwürdige Pflege faktisch nicht mehr zu gewährleisten ist. Die Bundesregierung wäscht ihre Hände in Unschuld und überlässt die Verantwortung den Ländern und den Pflege-Selbstverwaltungen.

 

Attraktivität des Pflegeberufs muss rasch und deutlich gesteigert werden.

 

In den nächsten 15 Jahren werden etwa noch 120.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt. Wie sollen aber absehbar weniger professionell Pflegende und immer weniger pflegende Angehörige die von der Regierung versprochenen  „mehr Leistungen“ erbringen?

 

Gesellschaftliche Entwicklungen wie die Singularisierung haben zur Folge, dass die Pflege durch die Familie immer weniger möglich sein wird, so dass eine gute stationäre und teilstationäre Infrastruktur gefragt sein wird.

 

Die Fachkraftquote darf auf keinen Fall abgesenkt werden.

 

Ein Heim mit 80 Bewohnerplätzen muss im Bundesdurchschnitt mit etwa 31Pflege-Vollzeitstellen die gesamte Pflegearbeit erbringen. Damit lässt sich ein sowohl bewohnergerechter wie mitarbeiterfreundlicher Dienstplan nicht erstellen. Damit ist die erforderliche Pflege überhaupt nicht zu bewerkstelligen – erst recht nicht mit zusätzlichen Betreuungskräften!

 

 

 

Forderungen:
1. Die Schaffung und bundeseinheitliche Umsetzung ausreichender Personalschlüssel.

 

2. Sofortige Verbesserung der Personalschlüssel der Heime um mindestens 3,5% jährlich bis zum Jahr der Einführung des bundeseinheitlichen Personalbemessungsverfahrens 2020.

 

3. Zur Aufrechterhaltung der Fachkraftquote und deren Refinanzierung sollten die Leistungen des SGB V (Behandlungspflege) analog der ambulanten Versorgung erstattet werden. (Bisher gelten diese mit dem Pflegesatz als abgegolten. Möglicherweise ist das 8.000-Stellen-Sofortprogramm ein erstser Schritt in diese Richtung!)

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Michael (Samstag, 17 Februar 2018 12:27)

    Ein Personalbemesungsverfahren wird etwa 10 bis 20 Prozent mehr Personal errechnen!
    Sollte das nicht so kommen, darf die Methode getrost bezweifelt werden.

  • #2

    Frau Sofa (Samstag, 17 Februar 2018 13:09)

    Vielleicht ist die Anregung, Behandlungspflege aus dem Pflegesatz heraus zu nehmen und separat zu erstatten, ein erster Schritt. Das könnte aber zu der Fehlentwicklung führen, dass mehr Behandlungspflege auf einmal erforderlich ist und sich dennoch die finanzielle Situation der Pflegekräfte nicht verbessert.

    Da das Pflegesystem im derzeitigen Zustand kollabiert ist, wäre es IMHO überlegenswert, ob nicht eine grundsätzliche Umstrukturierung angesagt sein sollte? Kurzfristig alles auf "STOPP!" setzen, dies auch unter Schmerzen, und das Konstrukt komplett neu errichten, nur unter veränderten Parametern, die solche Auswüchse, wie sie derzeitig anzutreffen sind, nicht mehr zulassen.