Nur weil du ein Mensch bist!

Gedankenschnipsel zum BGE

 

Die Haupteinwände, die gegen die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommen vorgebracht werden, sind:

 

1. Das Grundeinkommen lässt sich nicht finanzieren.

2. Der Mensch ist zu faul, um freiwillig zu arbeiten.

3. Die Umwälzung wäre zu radikal, die Folgen unabsehbar.

 

 Erstens
Dem ersten Einwand kann man sehr schnell und zahlreich Refinanzierungsmodelle entgegen halten, die sich durchaus rechnen. Es wäre eine Frage an Ökonomen. Im Wesentlichen liegt dabei aber meines Erachtens ein Grundfehler in der Gesamtkalkulation zu Grunde. Wenn wir den Wert der erwirtschafteten Güter und Waren zusammenrechnen, dann wird schnell klar, dass es weltweit sogar viel zu viel des Guten gibt, wenn man sich Überproduktion, Umweltverschmutzung und Vernichtung von Lebensmitteln etc. anschaut. Mal abgesehen von der sagenhaft unterschiedlichen Verteilung von Macht und Vermögen. So kann die Welt aus den derzeitigen Mitteln und Ressourcen durchaus ausreichend ernährt und gekleidet werden. Mit dem Wohnraum sieht es da nicht ganz so gut aus. Spätestens seit 2008 wissen EIGENTLICH alle, dass auch genug Geld im Gesamtsystem steckt. Es liegt also nicht an einer Unfinanzierbarkeit, sondern daran, dass es Mächtige gibt und deren Interessen werden in der Regel von Politikern vertreten, die das nicht wollen. Schließlich gibt niemand gern freiwillig. All dies weiß jeder, aber das Wissen verleiht hier keine Macht. Macht ist da, wo Menschen Macht kaufen und ausüben können.

 Ich will auf die vielen klugen, eben auch revolutionären, neuen Finanzierungsmöglichkeiten, wie Finanztransaktionssteuer, Umsatzsteuer etc., hier auch gar nicht eingehen. Jeder halbwegs versierte und kluge Ökonom, der nicht nur rechnen kann, sondern auch frei ist von Lobby-Interessen, wird hier zu einem Pro-Ergebnis gelangen.

 

Man schau sich nur an, wer zum Beispiel für ein BGE ist. Das sind in der Regel keine Deppen und auch Ökonomen sind darunter.

 

Ist vielleicht Zeit für ein Umdenken?

 

Für

Dagegen

Katja Kipping (Linke)

Sahra Wagenknecht (Linke)

Simone Lange (SPD), Michael Müller (SPD), Lars Klingbeil (SPD)

Andrea Nahles (SPD), Hubertus Heil (SPD)

Robert Habeck (Grüne)

Cem Özdemir (Grüne)

PiratenPartei (im Programm), Große Teile von Linken und Grünen

FDP, CDU, afd, NPD, Freie Wähler, ÖDP, BP, PDV, BÜSo, ADD, DKP

Götz Werner (dm)

 

Dirk Müller

 

Michael Opielka

Christoph Butterwegge

Stefan Sell?

 

 

 

Bernhard Vogel (CDU), Bernd Althaus (CDU)

Angela Merkel, Friedrich Merz, AKK

attac

Gewerkschaften

Harald Lesch

 

Erich Fromm (verstorbener Philosoph)

 

Georg Schramm (Kabarett), Volker Pispers

 

Joe Kaeser (Siemens),
Timotheus Höttges  (Telekom)

 

Sascha Lobo

 

Yanis Varoufakis (griech. Politiker)

 

Richard David Precht (deutscher Philosoph)

 

Gerald Hüther (Neurobiologe)

 

 

Ich kommentier das hier mal nicht. Jeder kann daraus seine Schlüsse ziehen. Oft ist es die Angst vor der Verantwortung, nämlich die Verantwortung für die Begleitung eines solchen Veränderungsprozesses zu übernehmen. Da macht man lieber weiter wie bisher und geht kein Wagnis ein. (Und damit wäre wohl auch dem dritten Haupteinwand ein Großteil seines der Bodens entzogen! Drittens) Auffällig ist auch, dass in den meisten Fällen dahinter neben partiellen Interessen auch eine bestimmte (philosophische) Grundhaltung zu stecken scheint. (Ein andermal mehr.)

 Interessant ist darüber hinaus, dass die Umfragen der letzten Zeit immer mehr in Richtung Befürwortung wandern. Wiesu denn bluus?

 

71 Prozent der Wähler der Partei DIE LINKE sind für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Es folgen die Wähler von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN mit 62 Prozent Zustimmung, die der SPD mit 58  Prozent Zustimmung, der AfD mit 53 Prozent Zustimmung. Der Anteil der Befürworter liegt unter den Wählern der CDU/CSU bei 40 Prozent und unter den Wählern der FDP bei 39 Prozent. (https://www.grundeinkommen.de/10/09/2018/wie-stehen-waehlerinnen-bestimmter-parteien-zum-grundeinkommen.html)

 

 Aber auch ganz simpel:
Nimm einen Rechner, dann nimmst du alles, was erwirtschaftet wird und verteilst von den Gewinnen zuerst das Grundeinkommen. Berechne vielleicht auch mal sämtliche Kosten, die eh schon unten verteilt werden wie, Kindergeld, Alo 1, Hartz IV, BaFöG, Erziehungsgeld, Renten, etc., dann ist da auch schon ein dicker Batzen.
Nimm aber allein die Masse an Geld, die an Finanzmärkten jongliert wird, ohne im Wirtschaftskreislauf investiert zu werden oder irgendwo im Luxus von wirklich Reichen verschwindet.

Wenn Geld irgendwo parkt und nicht im wa(h)ren Wirtschaftskreislauf das Rad am Laufen hält, sondern vor allem dazu dient, dass sich reiche Geldbesitzer mit Hilfe von Kennern der Börsenszene die Zeit damit vertreiben, durch ein Hin und Her der Geldbewegungen unter Ausnutzung der Zinsgewinnmöglichkeiten zu verjulustieren, dann verlieren die, die auf Investitionen (in Infrastruktur, Bildung, Erziehung und Pflege) angewiesen sind. Das ist die Mehrheit der Bevölkerung, die nämlich den Laden am Laufenden halten.

 

Nach ein wenig Google (Zahlen 2017):
Ausgaben für ALO 1 und 2, Bafög, Kindergeld, Erziehungsgeld und Rentenversicherung = 391 Mrd.
Damit sind andere Ausgaben wie Verteidigung noch gar nicht berührt!

Das ist schon gut ein Drittel dessen, was für ein BGE von 1200,- € mtl gebraucht würde. Da ist noch nicht alle staatliche Leistung erfasst, die ein BGE kompensieren müsste. Wenn jetzt noch eine Umfairteilung erfolgen würde (nicht gerechnet die Einsparung durch die weniger aufwändige Bürokratie und die bessere Gesundheit undvermutlich weniger sattfindende Kriminalität), dann sehe ich keinen Grund, es nicht einzuführen.

 

Dazu Fromm 1976: „Wenn man sich die Kosten vor Augen hält, die eine weitverzweigte Sozialhilfebürokratie heute (1976) verursacht, und dazu die Kosten der Behandlung psychischer, insbesondere psychosomatischer Krankheiten sowie der Bekämpfung der Kriminalität und der Drogenabhängigkeit rechnet, so ergibt sich vermutlich, dass es billiger kommen würde, jedem, der dies wünscht, ein jährliches Mindesteinkommen zu gewähren.“ Erich Fromm

 

 Zweitens
Fragen Sie namhafte Psychologen, Pädagogen, Neurobiologen oder schauen Sie auf bereits durchgeführte Experimente oder Umfragen. Und darauf werde ich hier nicht eingehen. Fakt ist: Diesem Haupteinwand kann der Boden nur zu leicht entzogen werden.

 

"Ein Bedingungsloses Grundeinkommen könnte also die institutionalisierte mütterliche Liebe sein. Die, die nicht fragt, ob du gut genug bist. Sondern die, die dir deine Existenz sichert, bedingungslos. Diese Sicherheit der Existenz ermöglicht eigentlich erst die Leistung. Zumindest eine, die aus uns selbst heraus kommt, intrinsisch motiviert und nicht nur von außen erzwungene. Das mit dem Zwang funktioniert ohnehin nicht besonders gut. Zuletzt habe ich von 80% innerer Kündigung bei Angestelltenverhältnisse gehört. Der wirtschaftliche Schaden geht ins unermessliche, aber noch schlimmer ist der menschliche." Erich Fromm

 

Wir brauchen nach Erich Fromm sowohl die bedingungslose Liebe oder Anerkennung unserer Würde, unseres Mensch-Seins und unserer Existenz, als auch die eine Wertschätzung der Leistungen, die wir erbringen, welcher Art auch immer die sind. Unsere Gesellschaft lässt bedingungslose Anerkennung aber meistens nur gelten, solange wir kleine Kinder sind. Oder auch bei Tieren. Da werden wir noch für unser Sosein geliebt. Mütterliche Liebe nennt es Fromm.

 

Sobald wir in den Kindergarten kommen, spätestens mit dem Schuleintritt, tritt die Wertschätzung als Person in den Hintergrund. Es wird zunehmend danach beurteilt oder wert-geschätzt, was wir leisten oder haben. Bis zum Tod! Deswegen ist Alzheimer auch ein Skandal. Darf nicht sein. Was nicht sein darf, wird tabuisiert, verdrängt, getötet.

 

Und wir wollen auch Deswegen, eben wegen unserer guten Taten und Leistungen gelobt und anerkannt werden. Wir lechzen geradezu danach wie Kain nach der Anerkennung durch Gott. Aber auch das gelingt nicht immer. Denn wir treten in Konkurrenz mit anderen. Ist das das eigentliche Kainsmal? Das Zeichen der patriachalischen Gesellschaftsform, in der man sich durchsetzen muss gegenüber anderen, um Anerkennung zu erlangen?

 

 Anerkennung tut immer gut und sie motiviert. Egal, ob sie auf die Person oder auf die Leistung schaut. Wir brauchen beides! Die Mischung macht es. Und sie beginnt eben damit, dass Grundbedürfnisse befriedigt sind, nämlich um dann Leistung erbringen zu können

 

 Sicher: Es werden Menschen zu Hause bleiben, die entweder mit ihrem bisherigen Job unzufrieden oder überfordert sind oder für die der geringe Verdienst keinen Anreiz mehr bietet. Aber ist das nicht gut? Jetzt MÜSSEN Unternehmer und politisch Verantwortliche ENDLICH ernsthaft tätig werden.
Sie müssen die Arbeitsbedingungen verbessern.
Sie müssen besser bezahlen.
Sie müssen an die Geldsäcke derjenigen, die Überfluss haben.
Ich glaube, das Letztere wird Ihnen am meisten weh tun (smile!).

 

 Nicht zuletzt:
Wenn nicht die heute gering bezahlte aber notwendige Arbeit (Erziehung, Pflege, Logistik, Handwerk, Reinigungsarbeiten, Kochen, etc.) durch das BGE völlig unattraktiv werden soll, dann gibt es nur zwei Lösungswege:
- Automatisierung / Digitalisierung (UND DIE kommt und würde durchs BGE bestenfalls positiv beeinflusst!) und / oder
- deutlich höhere Wertschätzung (=Bezahlung) solcher Arbeit.
Also muss der Mindestlohn steigen und Arbeit die unentbehrlich ist, wird höher bezahlt werden als verzicht- oder aufschiebbare Arbeit!

 

Das heißt für Arbeitgeber, dass sie viel daran setzen werden, unattraktive oder harte Arbeit zu automatisieren oder dass sie solche Arbeit - trotz BGE- besser bezahlen müssten. Dazu müssten attraktive Berufe (z.B. Büro, Produktion oder Verwaltung) weniger hoch bezahlt werden. Der Ingenieur oder Bandarbeiter bei VW und deren Manager bekämen deutlich weniger, deren Ehefrauen als Krankenschwester oder Putzfrau deutlich mehr. Hätten aber vielleicht zusammen ein gerechtes Einkommen. Ich sehe daran nichts Schlechtes, sondern eine große Chance für die Zukunft unserer Gesellschaft.

 

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