Wird die Pflege endlich mündig?

 

 

„Hast du den Leserbrief gelesen?“ rief meine Frau. Und wieder mal hatte sie gründlicher die Zeitung durchforstet. Er war mir tatsächlich entgangen, ein Leserbrief von Schülerin einer Berufsfachschule für Pflegeassisstenz in der Samstagsausgabe der Neuen Osnabrücker Zeitung. Ich las und war ebenso entflammt wie meine Frau. „Hut ab!“ sagte sie. „Ausgerechnet von solchen Schülern, hätte ich nie gedacht. Und vollkommen richtig und auf den Punkt gebracht!“

 

Die Schüler kritisierten messerscharf eine Werbekampagne des Bundesgesundheitsministeriums zur Gewinnung von jungen Leuten für den Pflegeberuf:

 

 

Ich war vor allem aus zwei Gründen begeistert. Erstens weil sie vollkommen recht hatten und damit wieder mal deutlich machten: Pflegen kann NICHT jeder!
Und zweitens, dass es der Berufsgruppe schadet, wenn sie nicht an Entscheidungen rund um ihren Beruf (verpflichtend und) kompetent (wie die Schüler im Leserbrief) mit eingebunden werden. So etwas soll nämlich zukünftig beispielsweise eine Pflegekammer leisten, gegen die allerdings viele Pflegekräfte opponieren, weil sie gar nicht verstehen, welche Konsequenzen und welche langfristige Einflussnahme auf politische Entscheidungen für die Pflege damit verbunden sind. (Es ist zugegebenermaßen auch nicht leicht zu erklären.)

 

 

Vielleicht wäre es ja ein Chance, dass Vertreter der zukünftigen Pflegekammer in Niedersachsen auf diese Klasse zugehen und mit ihnen zusammen Herrn Spahn #spahn bitten, dass jede weitere Imagekampagne mit ihnen statt mit irgendwelchen Werbefuzzis gemacht wird, die vielleicht auch glauben, pflegen könne jeder.

 

Jedenfalls hatte ich nach Jahren des Frusts und der Verzweiflung zum ersten Mal wieder das Gefühl, dass der Pflegeberuf noch zu retten sein könnte.
Werden junge Pflegekräfte endlich mündig?
Können sie sich gegen Vorurteile und Falschaussagen wehren?
Sind sie in der Lage, über das fachkompetent  zu sprechen, warum sie was tun?
Ist es zu Ende mit Schweigen, Dienen, Einspringen, Aufopfern, Jammern, Mobben, Berufsflucht?
Engagieren sie sich endlich in Verbänden, Kammern und Gewerkschaften, um sich aus dem Sumpf zu ziehen?
Der Leserbrief gibt Hoffnung!

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