Wenn Misstrauen den Menschen beherrscht

 

 

Ein wohlhabender Handwerksmeister träumte davon, eine längere Reise mit dem Fahrrad durch Europa zu machen. Er verkaufte alles, was er besaß. Einen Teil seines Vermögens legte er an bei einer Bank, einen weiteren Teil nutzte er, um die Reisekosten zu tilgen. Für das letzte Drittel erwarb er Goldbarren.

 

Da die Wirtschaft kriselte und es auf dem Geldmarkt und den Börsen unsicher war, verstaute er diese in einem Fass und füllte es bis zum Rand auf mit Schrauben. Niemand sollte merken, welchen Schatz es barg. Dann verschloss er das Fass sorgfältig und brachte es zu seinem besten Freund und erzählte ihm von seinem Vorhaben zu reisen und dass er ein paar sehr persönliche Dinge im Fass verstaut habe, also nicht von dem wahren Inhalt, das er dem Freunde zur Aufbewahrung bis zur Rückkehr seiner Reise anvertrauen wollte. Der Freund versprach es zu verwahren.

 

Nach einem Jahr kehrte der Handwerksmeister zurück und nahm das Gefäß dankend in Empfang. Er trug es zu seiner neuen Wohnung, öffnete es und sah, dass es keinen einzigen Goldbarren mehr enthielt – nur noch Schrauben.

 

Voller Bestürzung eilte er zu seinem Freund und sagte: „Mein Freund, als ich dir das Gefäß anvertraute, befanden sich darin außer den Schrauben einige Goldbarren. Ich nehme an, du warst geschäftlich in Schwierigkeiten und hast sie vorübergehend geborgt. Wenn ich dir so helfen konnte, so bin ich zufrieden. Du kannst mir die Summe bei Gelegenheit zurückzahlen.“
Der Freund jedoch entgegnete: „Ich habe das Fass nach deiner Abreise in meinen Keller gestellt und seitdem nicht angefasst. Als ich es dir zurückgab, war es verschlossen und unberührt, das hast du selbst gesehen. Wenn du Goldbarren hineingelegt hattest, müssen sie noch drin sein. Du batest mich damals nur, ich möge das Fass für Dich aufbewahren.“

 

Da die beiden Freunde, die nun keine mehr waren, sich nicht einigen konnten, kam die Sache vor Gericht. Der Richter hörte sich den Fall an und fragte den Handwerksmeister: „Hast du Zeugen dafür, dass du die Goldbarren in das Fass legtest?“ Als der Kaufmann verneinte, fragte der Richter den Freund, ob er beschwören könne, dass er die Goldbarren nicht gestohlen habe. Das könne er, antwortete der Freund und schwor. Daraufhin sprach der Richter den Freund frei!

 

 

 

Was lernen wir daraus? Misstraue niemals deinem besten Freund, denn das zahlt sich nicht aus. Wenn der Handwerksmeister von vornherein gesagt hätte, was sich tatsächlich in dem Fass befand, wäre er nicht betrogen worden. So aber trifft den Betroffenen genauso viel Schuld wie dem vermeintlichen Dieb.

 

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